RFQ

Ein RFQ (Request for Quote) ist im Aktienhandel eine Aufforderung, ein Preisangebot für den Kauf oder Verkauf einer bestimmten Menge an Aktien zu machen. Es handelt sich hierbei um eine Direktanfrage, die typischerweise von institutionellen Investoren an Market Maker oder Broker gerichtet wird, um den besten verfügbaren Preis für eine größere Transaktion zu ermitteln.

Detaillierte Erklärung zu RFQ im Aktienhandel

Der Request for Quote (RFQ)-Prozess ist besonders relevant für große blockartige Transaktionen mit Aktien, die der normale öffentliche Orderbuchhandel in dieser Größenordnung oft nicht effizient abbilden kann, ohne erhebliche Auswirkungen auf den Kurs zu haben. Stell dir vor, ein großer Pensionsfonds möchte Aktien im Wert von mehreren Millionen Euro kaufen – wenn er diese einfach per Marktorder über die Börse abwickeln würde, könnte das den Kurs stark nach oben treiben, bevor die Order vollständig ausgeführt ist.

Wie funktioniert ein RFQ?

  1. Initiierung: Ein institutioneller Investor (z.B. ein Hedgefonds, Pensionsfonds, Asset Manager) möchte eine größere Position in einer bestimmten Aktie kaufen oder verkaufen. Statt eine Limit- oder Marktorder direkt an die Börse zu senden, nutzt er eine RFQ-Plattform oder kontaktiert mehrere Broker/Market Maker direkt.
  2. Anfrage: Der Investor sendet eine RFQ an ausgewählte Handelspartner. Diese Anfrage enthält Details wie:
  • Die betreffende Aktie (ISIN, WKN).
  • Die Menge der zu handelnden Aktien (z.B. 100.000 Stück).
  • Ggf. die gewünschte Seite (Kauf "Buy" oder Verkauf "Sell").
  • Ggf. eine Frist, bis wann das Angebot abgegeben werden muss.
  1. Angebotsabgabe: Die Market Maker oder Broker prüfen die Anfrage und ihre Fähigkeit, diese Position zu handeln. Sie berücksichtigen dabei ihre eigenen Bestände, die aktuelle Marktlage, Liquidität und das Risiko. Daraufhin unterbreiten sie dem anfragenden Investor ein verbindliches Preisangebot für den Handel der gewünschten Stückzahl. Dieses Angebot kann Firm (fest) oder Indicative (indikativ) sein.
  2. Auswahl und Ausführung: Der Investor vergleicht die erhaltenen Angebote und wählt das attraktivste aus. Sobald ein Angebot angenommen wird, wird die Transaktion außerbörslich (Over-the-Counter, OTC) zwischen Investor und Market Maker/Broker auf Basis des vereinbarten Preises ausgeführt.

Vorteile eines RFQ-Prozesses:

  • Minimierung des Markt-Einflusses (Market Impact): Große Orders können den Kurs einer Aktie stark beeinflussen. Durch die außerbörsliche Abwicklung per RFQ wird der Preis vor der eigentlichen Transaktion festgelegt, was diese Auswirkungen reduziert.
  • Bestes Ausführungsprinzip (Best Execution): Institutionelle Investoren sind oft regulatorisch verpflichtet, "Best Execution" zu gewährleisten, also den bestmöglichen Preis zu erzielen. RFQs ermöglichen den direkten Vergleich mehrerer Angebote.
  • Diskretion: Die Transaktion bleibt diskreter, da sie nicht sofort im öffentlichen Orderbuch sichtbar ist und somit keine unmittelbaren Reaktionen anderer Marktteilnehmer hervorruft.
  • Zugang zu Liquidität für große Blöcke: Makler und Market Maker haben oft die Möglichkeit, große Aktienpakete zu handeln, die im regulären Börsenhandel nur schwer abzusetzen wären.

Nachteile eines RFQ-Prozesses:

  • Gerichtete Liquidität: Man ist auf die Angebote der angesprochenen Gegenparteien angewiesen.
  • Potenzielle Information Leakage: Obwohl diskreter als der offene Markt, besteht immer das Risiko, dass die Information über eine geplante große Transaktion vor der Ausführung zu anderen Marktteilnehmern durchsickert und den Preis beeinflusst.
  • Komplexität: Der Prozess kann komplexer sein als eine einfache Börsenorder.

Beispiel:

Ein großer Staatsfonds möchte 500.000 Aktien von "TecDax AG" verkaufen. Statt die Aktien über das Xetra-Orderbuch auf den Markt zu werfen, was den Kurs möglicherweise stark unter Druck setzen würde, sendet der Fonds eine RFQ an fünf Investmentbanken. Drei Banken respondieren mit folgenden Angeboten:

  • Bank A: €100.15 pro Aktie
  • Bank B: €100.00 pro Aktie (wegen geringerer eigener Positionskapazität)
  • Bank C: €100.20 pro Aktie

Der Fonds entscheidet sich für das Angebot von Bank C und verkauft die 500.000 Aktien zu diesem Preis. Die Transaktion wird dann bilateral zwischen dem Fonds und Bank C abgewickelt.

Kurz gesagt: Ein RFQ ist ein wichtiges Instrument im institutionellen Aktienhandel, um große Positionen effizient, diskret und zum bestmöglichen Preis außerbörslich zu handeln.

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