KGV

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine der bekanntesten und am häufigsten verwendeten Kennzahlen im Finanzbereich, um die Bewertung einer Aktie zu beurteilen. Es setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie (EPS) und gibt damit an, wie viele Jahre der Gewinn eines Unternehmens benötigt, um den aktuellen Aktienkurs zu "rechtfertigen".

Was ist das KGV?

Das KGV berechnet sich aus dem aktuellen Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie (EPS). Ein niedriges KGV suggeriert, dass eine Aktie günstig bewertet sein könnte, während ein hohes KGV auf eine teure Bewertung hinweisen kann. Es ist jedoch wichtig, das KGV nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext der jeweiligen Branche, der Wachstumsaussichten des Unternehmens und der allgemeinen Marktlage zu sehen.

Formel: $$ \text{KGV} = \frac{\text{Aktienkurs}}{\text{Gewinn je Aktie (EPS)}} $$

Erklärung der Bestandteile:

  • Aktienkurs: Das ist der aktuelle Börsenkurs einer einzelnen Aktie des Unternehmens.
  • Gewinn je Aktie (EPS - Earnings Per Share): Dieser Wert gibt an, wie viel Gewinn ein Unternehmen pro ausstehender Aktie in einem bestimmten Zeitraum (meistens das letzte Geschäftsjahr oder die prognostizierten Gewinne für die Zukunft) erwirtschaftet hat. Er wird berechnet, indem der Nettogewinn des Unternehmens durch die Anzahl der ausstehenden Aktien geteilt wird.

Interpretation und Verwendung:

  • Vergleichbarkeit: Das KGV ermöglicht es dir, Aktien verschiedener Unternehmen innerhalb derselben Branche miteinander zu vergleichen. Ein KGV von 10 für ein Technologieunternehmen ist vielleicht sehr niedrig, während ein KGV von 10 für ein etabliertes Versorgungsunternehmen eher normal oder sogar hoch sein könnte.
  • Wachstum: Unternehmen mit hohen Wachstumserwartungen haben oft auch ein höheres KGV. Anleger sind bereit, mehr für zukünftige Gewinne zu zahlen. Ein Tech-Startup mit viel Potenzial kann ein KGV von 50 oder mehr haben, während ein etablierter Autokonzern ein KGV von 8 bis 12 aufweist. Hier ist es sinnvoll, das KGV im Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum zu betrachten (z.B. mittels des PEG-Verhältnis).
  • Historischer Vergleich: Du kannst auch das aktuelle KGV eines Unternehmens mit seinem historischen KGV-Durchschnitt vergleichen, um zu beurteilen, ob die Aktie derzeit relativ teuer oder günstig im Vergleich zu ihrer eigenen Vergangenheit ist.
  • Marktstimmung: Das KGV kann auch ein Indikator für die allgemeine Marktstimmung sein. In Bullenmärkten (steigende Kurse) sind KGVs tendenziell höher als in Bärenmärkten (fallende Kurse).

Beispiel:

Angenommen, eine Aktie kostet 100 Euro. Das Unternehmen hat im letzten Jahr einen Gewinn von 5 Euro pro Aktie erzielt.

$$ \text{KGV} = \frac{100 \text{ €}}{\text{5 €}} = 20 $$

Ein KGV von 20 bedeutet in diesem Fall, dass Anleger das 20-fache des jährlichen Gewinns pro Aktie bereit sind zu zahlen. Grob übersetzt, würde es 20 Jahre dauern, bis der aktuelle Kaufpreis allein durch die Gewinne des Unternehmens amortisiert wäre – vorausgesetzt, der Gewinn bleibt konstant und wird vollständig an die Aktionäre ausgeschüttet.

Einschränkungen:

  • Einmalige Effekte: Außergewöhnliche Gewinne oder Verluste in einem Jahr können das KGV verzerren.
  • Buchhalterische Tricks: Unternehmen können Gewinne durch verschiedene Bilanzierungsmaßnahmen beeinflussen.
  • Fehlende Gewinne: Unternehmen, die keine Gewinne erwirtschaften (z.B. junge Start-ups), haben kein aussagekräftiges KGV (oder ein negatives KGV, das schwer zu interpretieren ist).
  • Zukunftsorientierung: Das KGV blickt in die Vergangenheit (basierend auf historischen Gewinnen) oder in die nahe Zukunft (basierend auf prognostizierten Gewinnen). Die tatsächliche Entwicklung der Gewinne kann aber stark abweichen.

Zusammenfassend ist das KGV ein nützliches Werkzeug für die erste Einschätzung einer Aktie, sollte aber immer mit anderen Kennzahlen und einer fundierten Analyse des Unternehmens und seines Umfelds kombiniert werden, um ein umfassendes Bild zu erhalten.

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