QT
QT steht für Quantitative Tightening, zu Deutsch quantitative Straffung. Es ist eine geldpolitische Maßnahme einer Zentralbank, bei der sie die im Umlauf befindliche Geldmenge reduziert, typischerweise indem sie ihre Bilanz schrumpft. QT ist das Gegenteil von Quantitative Easing (QE), bei dem die Zentralbank Anleihen kauft, um die Geldmenge zu erhöhen.
Quantitative Tightening ist ein Instrument der Geldpolitik, das von Zentralbanken eingesetzt wird, um die Inflation zu bekämpfen oder eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern. Nachdem während Phasen des Quantitative Easing (QE) massive Mengen an Staats- und Unternehmensanleihen von der Zentralbank gekauft und damit Geld in den Markt gepumpt wurden, kehrt sich dieser Prozess bei QT um.
Wie funktioniert QT?
Im Wesentlichen gibt es zwei Hauptwege, wie eine Zentralbank QT betreiben kann:
- Nicht-Reinvestition fällig werdender Anleihen: Dies ist der gängigste und am wenigsten disruptive Ansatz. Wenn von der Zentralbank gehaltene Anleihen das Ende ihrer Laufzeit erreichen, erhält die Zentralbank das Kapital zurück. Anstatt dieses Kapital zu reinvestieren, lässt sie es verfallen. Dadurch wird dem Finanzsystem Liquidität entzogen, da das Geld, das sonst in neue Anleihen geflossen wäre, nun nicht mehr zur Verfügung steht.
- Verkauf von Anleihen auf dem freien Markt: Die Zentralbank kann ihre Bestände an Anleihen auch aktiv auf dem freien Markt verkaufen. Dieser Ansatz ist aggressiver, da er sofort erhebliche Mengen an Liquidität entzieht. Er wird seltener angewendet, da er das Potenzial hat, die Märkte stärker zu beeinflussen.
Auswirkungen von QT
- Reduzierung der Geldmenge: Der primäre Effekt von QT ist die Verringerung der Gesamtgeldmenge im Finanzsystem.
- Anstieg der Zinsen: Weniger Liquidität im System führt in der Regel dazu, dass Geld knapper und damit teurer wird. Dies drückt sich in steigenden Zinsen, insbesondere bei längerfristigen Anleihen, aus. Höhere Zinsen machen Kredite teurer und können die Nachfrage nach Investitionen und Konsum dämpfen.
- Auswirkungen auf Aktienmärkte: Steigende Zinsen können den Aktienmarkt negativ beeinflussen, da sie die Kreditkosten für Unternehmen erhöhen und alternative Anlageformen wie Anleihen attraktiver machen. Zudem werden zukünftige Unternehmensgewinne mit einem höheren Diskontsatz abgezinst, was den heutigen Unternehmenswert mindert.
- Stärkung der Währung: Eine restriktivere Geldpolitik kann die Währung eines Landes stärken, da sie das Land für ausländische Investoren attraktiver macht.
- Mögliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums: Durch die Reduzierung der Geldmenge und den Anstieg der Zinsen kann QT das Wirtschaftswachstum bremsen. Ziel ist es oft, eine Überhitzung oder Inflation zu verhindern, birgt aber auch das Risiko einer Rezession.
Kontext und Beispiele
QT wird in der Regel eingeleitet, nachdem eine Phase der expansiven Geldpolitik (QE) die Wirtschaft stabilisiert und die Inflation angeheizt hat. Eine Zentralbank wie die Europäische Zentralbank (EZB) oder die US Federal Reserve (FED) würde QT implementieren, wenn sie das Gefühl hat, dass die Wirtschaft stark genug ist, um das "Anleihenaufkaufprogramm" zu beenden und die Zinsen zu normalisieren, ohne das Risiko eines wirtschaftlichen Abschwungs einzugehen.
Ein gängiges Maß für die Größe der Bilanz einer Zentralbank, die durch QE inflatiert und durch QT reduziert wird, ist die Bilanzsumme. Wenn die FED oder EZB QT betreibt, sinkt ihre Bilanzsumme wieder.
Zusammenfassend ist QT ein wichtiger Hebel im Werkzeugkasten der Zentralbanken, um die Geldmenge und damit indirekt die Wirtschaft zu steuern, insbesondere in Bezug auf Inflation und Zinsniveaus.
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